Checkliste

Marktspiegel MES 2014/2015

Quelle: Angaben lt. Anbieter – Status 13.11.2014

Checkliste

Marktspiegel Qualitätsmanagement

Quelle: Angaben laut Anbieter – Status 12.06.2014

Checkliste

Materialmanagement
Tracking & Tracing

Quelle: Angaben lt. Anbieter – Stand: 05.10.2012

 

Background Information

Checkliste

Marktspiegel
Energiemanagement

Quelle: Angaben lt. Anbieter – Stand: 13.05.2013

MES im Fokus: MES Marktspiegel
Materialmanagement / Tracking & Tracing

Manufacturing Execution umfasst heute weitaus mehr als nur Produktionssteuerung und Betriebsdatenerfassung. Die vorliegende Checkliste vertieft nun zwei wesentliche, in engem Zusammenhang stehenden MES-Bereiche „Materialmanagement“ und „Tracking & Tracing“. Mehr als 80 MES-Anbieter des deutschsprachigen Raums liefern Systeme, die wesentliche Anforderungen aus beiden Themenbereichen mit unterschiedlichen Schwerpunkten abdecken.

Dabei hat die bekannte Binsenweisheit, dass bei einer IT-Unterstützung nicht die Abdeckung aller prinzipiell möglichen Anforderungen, sondern in erster Linie das eigene, unternehmensspezifische Anforderungsprofil zählt, im Bereich „Materialmanagement“ und „Tracking & Tracing“ besondere Bedeutung. Beispielsweise hat die EU Richtlinie 178 (Lebensmittelsicherheit in der EU) für ein produzierendes Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche existenzielle Bedeutung, spielt aber für einen Automobilzulieferer i.d.R. keine Rolle. Dafür steht hier, zumindest für die Zulieferer der deutschen Automobilindustrie, die Konformität der Prozesse und Systeme mit dem VDA 6.1 - Regelwerk im Mittelpunkt.

In diesem Sinne kann unsere Checkliste hier nur Anregungen für ein eigenes, unternehmensspezifisches Lastenheft liefern und helfen, aus dem breiten Marktangebot an MES-Systemen einen Favoritenkreis geeigneter Systeme einzugrenzen. Dazu beinhaltet die Checkliste entsprechende „Checkpunkte“ zu folgenden Bereichen:

  • Bedarfsermittlung
  • Bestandsführung / Lagerverwaltung
  • Materialflusssteuerung & -überwachung
  • Produktrückverfolgung / Traceability
  • Gesetz- & Normenkonformität

Die einzelnen Bereiche sind in den folgenden Kapiteln und in der Checkliste selbst kurz beschrieben.

Bedarfsermittlung

Die Prozesse der Bedarfsermittlung werden normalerweise durch entsprechende ERP-Systemfunktionen unterstützt. Aber je nach Unternehmensanforderungen kann eine teilweise oder zusätzliche Systemfunktionalität auf MES-Ebene sinnvoll / notwendig sein, z.B.:

  • fehlende oder wenig komfortable ERP-Systemunterstützung
  • kurzfristige, fertigungssteuerungsorientierte Materialdisposition
  • fehlende ERP-Material-/Auftragszuordnung
  • separate Disposition für Produktionsläger/Pufferläger
  • etc.
  • Unsere Checkliste zeigt auf, welche Prozesse der Bedarfsermittlung und Disposition i.d.R. durch geeignete Manufacturing Execution-Systeme unterstützt werden:

  • Verwaltung auftragsbezogener Bedarfe
  • Alarm- / Eskalationsmanagement bei Bedarfs- / Bestandsabweichungen
  • Verfügbarkeitsprüfung
  • ERP- / MES-Bestandsabgleich (ereignisgesteuert oder automatisch)

Bestandsführung / Lagerverwaltung

Analog zur Bedarfsermittlung werden die Prozesse der Bestandsführung und Lagerverwaltung normalerweise durch entsprechende ERP-Systemfunktionen unterstützt.

Aber auch hier kann eine teilweise oder zusätzliche Systemfunktionalität auf MES-Ebene sinnvoll / notwendig sein. Dies gilt insbesondere, wenn Lagerbewegungen und Materialflüsse gezielter gesteuert oder automatisiert erfasst und ggf. grafisch dargestellt werden sollen, z.B. für dezentrale Produktionsläger / Pufferläger oder arbeitsplatz- bzw. anlagenspezifische Produktionsversorgungsbereiche *).

Unsere Checkliste beinhaltet die entsprechenden wesentlichen MES-Funktionen und die Leistungsprofile geeigneter Systeme:

  • Produktionsläger, Produktionspuffer, Kanbanläger
  • Chargenbestand, Einzelteil-/Serialteilbestand
  • Materialbestandsstatus (z.B. verfügbar, gesperrt etc.)
  • Materialbestandsentwicklung-/reichweite
  • Verfallsdatum MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum)

*) Erläuterung: Bei der Abbildung und Steuerung der Produktionslogistik hat sich der Begriff des Produktionsversorgungsbereichs (PVB) in der ERP-/ MES-Welt inzwischen weitgehend durchgesetzt. PVBs können Regale, markierte Flächen auf dem Boden, spezielle Boxen, Tanks oder Kessel, etc. sein. Mit PVBs lassen sich verschiedene Detaillierungsgrade der Produktionsversorgung abbilden. Beispielsweise können zusammenhängende Arbeitsplätze gruppiert und zentral versorgt werden, oder Materialien auf bestimmte Arbeitsplätze oder gezielt zu arbeitsplatzbezogenen Bereitstellungseinrichtungen / Behältnissen gesteuert werden. Damit können die Prozesse der Produktionsversorgung flexibel gestaltet und optimal auf die Anforderungen der Produktion angepasst werden.

Materialflusssteuerung & -überwachung

Zur Unterstützung des Fertigungsablaufs kann je nach Art der Produkte und der Fertigungsorganisation eine umfangreiche Materialflusssteuerung erforderlich sein. Insbesondere in einer diskreten Fertigung ist damit zumeist die permanente Herausforderung verbunden:

  • den mit dem Materialfluss verbundenen Organisationsaufwand für die innerbetriebliche Logistik zu minimieren und
  • lange Liegezeiten und daraus folgend entsprechend lange Durchlaufzeiten und hohe Materialbestände mit hoher Liquiditätsbelastung und Kapitalbindung zu vermeiden.

Dabei ist die Unterstützung durch ERP-Systeme häufig eher unzureichend, so dass der Einsatz eines geeigneten Manufacturing Execution Systems (MES) erhebliche Potenziale bieten kann.

Unsere Checkliste liefert erste Anhaltspunkte über entsprechende MES-Funktionen und Leistungsprofile der Systeme zur Materialflusssteuerung & -überwachung:

  • Transportmittelverwaltung (Paletten, Container etc.)
  • Bereitstellungs- / Kommissionieraufträge
  • Transportsteuerung / Transportaufträge
  • E-Kanban / systemgestützte Kanbanabwicklung
  • Grafische Darstellung / Materialflusslayout

Produktrückverfolgung / Traceability

Manufacturing Execution umfasst die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Losen, Chargen sowie einzelnen Produkten, Bauteilen und Rohstoffen (Traceability) und deckt damit die tägliche Notwendigkeit vieler Unternehmen ab, einen lückenlosen Nachweis von Stamm-, Auftrags-, Qualitäts- und Prozessdaten über alle Stufen der Prozesskette hinweg zu führen. Damit unterstützen entsprechende MES-Funktionen sowohl das Downstream- als auch das Upstream-Tracing produzierter Artikel, z.B. für gezielte Rückrufaktionen einerseits und eine effiziente Verursacheranalyse andererseits.

MES-Systeme sorgen dabei für eine schnelle und sichere Fehleranalyse und Rückverfolgung, weil alle relevanten Stamm-, Auftrags-, Qualitäts- und Prozessdaten i.d.R. in einer zentralen MES-Datenbank gespeichert werden und miteinander verknüpft vorliegen.


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Die obenstehende Abbildung zeigt die relevanten Prozesse
des Tracking & Tracing im Zusammenhang (Quelle: Pickert & Partner GmbH).

Unsere Checkliste liefert erste Anhaltspunkte über entsprechende MES-Funktionen und -Leistungsprofile zum Tracking und Tracing:

  • Chargen- / Losverwaltung, Einzelteil- / Serialteilverwaltung
  • Erzeugen von Chargen- / Serialteilnummern
  • Chargen- / Serialteilstatus und -merkmale
  • Serialteilbezogene Herstellungshistorie
  • Chargen- / Serialteil-Langzeitarchivierung
  • Chargen- / Serialteilverfolgung (Tracking, Tracing)
  • Grafische Darstellung für Rückverfolgung
  • Labeldruck für Material und Transportmittel
  • Ident-Technologien für Material und Transportmittel

Gesetz- und Normen-Konformität

Geeignete MES-Systeme unterstützen die Gesetz- und Normen-Konformität der eigenen Prozesse im Produktionsumfeld. Dabei stehen i.d.R. die „Risikominimierung“ und die „Rückverfolgbarkeit“ über alle Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen im Mittelpunkt. Aber jede Vorschrift hat darüber hinaus ihre eigenen Schwerpunkte, die durch entsprechende MES-Funktionen unterstützt werden können/sollten. Beispielsweise lassen sich die Anforderungen der US - Food and Drug Administration „FDA 21 CFR 11“ in vier Themenblöcken zusammenfassen:

  • Zugriffsschutz
  • Audit Trail (Überwachung der Benutzeraktivitäten bei Datenänderungen)
  • Archivieren und Abrufen archivierter Daten
  • elektronische Unterschrift

  • Dagegen stehen beim VDA-6.1-Standard zentrale Themen im Mittelpunkt wie:

  • Erstbemusterung
  • Auswirkungsanalyse (FMEA) und
  • Qualitätsplanung

Aber für alle Gesetze, Normen und Richtlinien gilt, dass MES-Systeme nur in Verbindung mit unternehmensspezifischen organisatorischen Maßnahmen und Verfahrensanweisungen einen vorschriftskonformen Betrieb gewährleisten können und MES dies i.d.R. auch nur im Produktionsumfeld und nicht über die komplette Supply Chain funktional abdecken können (beispielsweise werden in einem MES-System i.d.R. keine Versanddaten abgespeichert).

Dennoch erleichtern entsprechende MES-Systeme eine Zertifizierung (bzw. Validierung im regulierten Bereich Pharma, Medizintechnik und relevante Zulieferer) i.d.R. erheblich. Hinzu kommt, dass die Bedeutung des Themas für viele Unternehmen aufgrund globalisierter Märkte weiterhin eher zu- als abnehmen wird.

Unsere Checkliste beinhaltet die wesentlichen Gesetze, Normen bzw. Richtlinien, die von geeigneten MES-Systemen aktuell unterstützt werden:

  • EU Richtlinie 178 (Lebensmittelsicherheit in der EU)
  • FDA 21 CFR 11 (Food & Drugs, Datensicherheit, USA)
  • VDA 6.1 (Automotive, Deutschland)
  • GMP (Pharma-Validierung, USA & International)

 

Autor:

Dr. Ing. Harald Hoff, HIR GmbH, Wiesbaden